Johari-Fenster in Scrum (+ Team-Übung)

Johari-Fenster erklärt

Das Johari-Fenster ist ein altes Modell. Es wurde 1955 von Joseph Luft und Harry Ingham entwickelt. Der Name Johari basiert auf den Anfangsbuchstaben ihrer Namen. Damals führte das Duo Untersuchungen zur Gruppendynamik durch. Sie selbst weisen darauf hin, dass das Modell zur Stärkung des Selbstbewusstseins von Einzelpersonen und Gruppen eingesetzt werden kann.

Das Johari-Fenster besteht aus vier Quadranten:

  1. Der offene Raum:
    Dieser Quadrant enthält das, was Ihnen selbst und anderen bekannt ist. In diesem Quadranten geht es darum, wie Sie sich in einer Gruppe verhalten, was Sie sagen und wie Sie etwas sagen. Dieser Quadrant ist sowohl Ihnen als auch anderen bekannt, was eine offene Kommunikation und Zusammenarbeit in diesem Quadranten ermöglicht. In Scrum wollen Sie den offenen Raum so groß wie möglich machen.
  2. Der blinde Fleck:
    In diesem Quadranten befinden sich die Dinge, derer Sie sich selbst nicht bewusst sind, die aber andere sehen. Da Sie einen blinden Fleck nicht selbst aufdecken können, brauchen Sie das Feedback anderer. Dies erfordert eine Haltung der Verletzlichkeit und Offenheit für (manchmal schwieriges) Feedback.
  3. Der verborgene Bereich:
    Dies ist der private Bereich einer Person. In diesem Quadranten gibt es bestimmte Eigenschaften, Gedanken oder Gefühle, derer Sie sich bewusst sind, die Sie aber vor anderen verbergen. Durch eine Öffnung in diesem Bereich kann der Freiraum vergrößert werden.
  4. Unbekanntes Territorium:
    Dieses Territorium ist für Sie, aber auch für andere unbekannt. Wie finden Sie also heraus, was es hier gibt? Sie können dies tun, indem Sie neue Aktivitäten in einer neuen Umgebung und mit neuen Menschen ausprobieren. Veränderungen können etwas zum Vorschein bringen, das vorher unsichtbar war.

Wie kann ich das Johari-Framework in Scrum einsetzen?

Wenn ein Scrum Team anfängt zusammenzuarbeiten, kennen sich die Teammitglieder manchmal kaum. Der offene Raum ist daher klein, und eine freie Kommunikation und optimale Zusammenarbeit sind nach wie vor schwierig. Das Team kann den Freiraum vergrößern, wenn die Teammitglieder (1) andere um Feedback bitten und (2) sich selbst gegenüber offen zeigen.

Vergrößerung der Offenheit durch Einholung von Feedback

Im Idealfall gibt das Scrum Team intern und bei Bedarf auch extern kontinuierlich Feedback. In Scrum ist es üblich, in der Review und der Retrospektive nach Feedback zu fragen und dieses zu geben. Bei beiden Treffen ist es wichtig, dass das Feedback auf die richtige Weise gegeben wird. In der Review vergrößert das Team den Freiraum durch Interaktion mit den Stakeholdern des Projekts. Das Feedback der Stakeholder verbessert die Kommunikation über die Ergebnisse innerhalb des Projekts sowie die Qualität der Ergebnisse. Das Feedback in der Retrospektive vergrößert den Freiraum auf persönlicher Ebene innerhalb des Teams. Dies verbessert den Kommunikationsfluss und die Zusammenarbeit innerhalb des Teams.

Vergrößerung der Offenheit durch Schaffung von Freiräumen

Eine zweite Möglichkeit, die Offenheit zu erhöhen, besteht darin sie zu geben. Innerhalb von Scrum können Sie dies auf verschiedene Weise tun. Es ist ratsam, zu Beginn eines Scrum-Projekts ein ausführliches Kick-off-Meeting zu organisieren, in dem die Teammitglieder offen über ihre Qualitäten und Ambitionen, aber auch über ihre Lernpunkte sprechen. Auf diese Weise erhöhen Sie die Offenheit innerhalb des Teams gleich zu Beginn eines Projekts. Ein weiterer Aspekt von Scrum, der die Offenheit erhöht, ist die Zusammenarbeit von Angesicht zu Angesicht. Ein Scrum Team arbeitet vom selben Ort aus zusammen. Da die Teammitglieder Zeit miteinander verbringen, erhöht sich der Grad der Offenheit, weil ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird. Als Scrum Master ist es wichtig, das Vertrauen innerhalb des Teams zu stärken.

Retrospektive Übung

Als Scrum Master können Sie dieses Modell in einer Retrospektive verwenden:

  1. Geben Sie einen klaren Rahmen vor, z. B.: „Wir werden darüber sprechen, wie wir einander helfen können, noch mehr Freiräume zu schaffen, und wir werden üben, innerhalb unseres Teams Feedback zu geben und zu erbitten“.
  2. Erklären Sie das Modell und bitten Sie jeden, etwas auf ein Post-it zu schreiben, das dem Team in der Zusammenarbeit unbekannt ist, aber der Person selbst bekannt ist. Dabei kann es sich um bestimmte Verhaltensweisen, Gedanken, Bedürfnisse handeln: Es spielt keine Rolle, solange es in die Zusammenarbeit passt. Fällt ihnen das schwer, können Sie auch mit der Frage beginnen: Was glauben Sie, regt den Freiraum in unserem Team an?
  3. Lassen Sie die Teammitglieder in Zweiergruppen diskutieren, was sie aufgeschrieben haben.
  4. Besprechen Sie dann die Ergebnisse mit dem gesamten Team.

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