Warum Agil arbeiten? Ist das notwendig?

Scrum und Agile – warum müssen das auf einmal alle machen? Diese Frage höre ich immer wieder in meinem Privatleben, aber auch in Ausbildungskursen – Letzteres vor allem, wenn es um die betriebliche Ausbildung geht. Menschen, die zu einer offenen Schulung kommen haben oft Zweifel, ob es das Richtige für sie ist, trauen sich aber oft nicht zu fragen. Und das ist schade, denn die Frage „Ist Scrum ein Trend und warum?“ ist eine sehr interessante Frage.

Die Notwendigkeit von Agilität

Um mit dem Warum zu beginnen, diskutieren die Teilnehmer unserer Schulungen häufig über die durchschnittliche Lebensdauer großer Unternehmen. Die Schlussfolgerung ist, dass diese Lebensspanne immer kürzer wird und damit auch der Bedarf an Flexibilität sinkt. Während in den 1950er Jahren ein Unternehmen noch 35 Jahre bestand, liegen wir heute bei einem Durchschnitt von etwa einem Viertel davon. Hierfür gibt es viele Gründe: Übernahmen und technologische Veränderungen, das sich immer erweiternde Wissen über die Welt und die Auswirkungen auf unser Lebens- und Arbeitsumfeld. Wenn sich der Umfang und die Vorhersehbarkeit so schnell verändert, dann sind präzise ausgearbeitete „Wasserfall-Methoden“ wie in PRINCE2 nicht mehr sinnvoll – zumindest nicht, wenn man Verschwendung und Redundanz vermeiden will.

Diese Idee ist jedoch keine Neuheit. 1993 veröffentlichte James Belasco das Buch „Flight of the Buffalo“ und ich hatte die Gelegenheit mir eine Rede von ihm anzuhören, welche mir die Augen öffnete. Er erläuterte sehr anschaulich, dass ein großes Unternehmen zwar behauptet in einer geraden Linie zum Ziel zu gehen, die Realität aber eher einer Herde von Büffeln gleicht, die sich langsam umdreht und dem Anführer folgt, auch wenn dieser nicht dem vereinbarten Weg folgt oder vielleicht nur tut, was ihm gefällt.

Agiles Arbeiten wie ein Schwarm Gänse

Learning to let employees lead ist nicht umsonst der Untertitel dieses Buches, in dem er sagt, dass es effektiver wäre wenn Organisationen wie ein Schwarm Gänse in einer V-Formation in eine bestimmte Richtung fliegen würden – damit alle Gänse wissen wo sie stehen. Im Sommer im Norden und im Winter im Süden. Und immer mal wieder die Plätze wechseln, damit jede Gans an der Spitze fliegt und das Ziel im Auge behält. Das hat viel mit Führung zu tun; sie beruht mehr auf Vertrauen und wird Agiler.

Arbeiten mit Scrum ist wie das Fliegen eines Starenschwarms

Heutzutage, wir schreiben das Jahr 2022, sind die Entwicklungen so viel schneller, dass das Fliegen in V-Formation und das Abbiegen an der Spitze nicht mehr immer effektiv genug ist. Wir sollten wie diese Gänse werden, die sehr schnell in die Kurve gehen. Ein Starenschwarm entspricht daher eher dem Ideal des Scrum. Alle fliegen in derselben Geschwindigkeit und drehen Kreise über ihrem Haus, ohne dass es zu Kollisionen kommt. Sie sind Spezialisten für elegantes und sicheres Fliegen in einer Gruppe. Kürzlich wurde entdeckt, dass Stare während ihrer Flüge im Abendrot in das Nichts hineinfliegen, weil sie ein Auge auf die 7 Stare um sie herum haben (Der Vogelschutz veröffentlichte einen interessanten Artikel darüber). Das macht Stare zu einer ebenso netten Gruppe von bis zu 8 Personen wie ein Team von Entwicklern in Scrum in einer Organisation – zumindest, wenn der Scrum Master und der Product Owner nicht beteiligt sind.

Autofahren in Paris und Agiles Arbeiten

Das Verhalten dieser Stare erinnert mich an jenen Pariser, der mir einmal erklärte warum Touristen in Paris nicht wie die Pariser Auto fahren können. „Die Touristen, die in den Rückspiegel schauen….man muss nur nach vorne schauen, den Verkehr im Auge behalten, sich darauf konzentrieren wohin man will und dann darauf vertrauen, dass die Leute um einen herum das Gleiche tun.“ Und so biegen Sie auf die Champs Elysées ein… im Vertrauen darauf, dass die anderen Verkehrsteilnehmer Sie sehen und im Vertrauen auf die Sicherheit der Gruppe.

Genau hier treffen Agile, Scrum und das Autofahren in Paris aufeinander. Vertrauen Sie auf die Menschen um Sie herum, die alle so fahren wie Sie. Gemeinsam den Blick auf das richten was vor uns liegt. Wir können nicht immer vorhersehen was passieren wird und zu viel im Voraus nachzudenken wäre überflüssig. Wir arbeiten empirisch, scheitern früh, trauen uns das gemeinsam zu und passen uns an. Und wir lernen daraus und haben Spaß dabei. Das gilt auch für unsere Manager, denn wir teilen die Last und die Freude gemeinsam. Wir teilen Wissen. Wir alle. So frei wie die Spatzen. Oder, wenn Sie es vorziehen, so frei wie ein Franzose, der auf den Champs Elysées um die Ecke biegt.

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