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Die drei Scrum Säulen

Wissen Sie, was die drei Scrum Säulen bedeuten und wofür sie da sind? Wenn nicht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Scrum falsch angewandt wird (mit unangenehmen Folgen). Die Säulen von Scrum helfen, die zugrunde liegenden Prinzipien von Scrum zu verstehen.

Empirismus: drei Säulen

Woher kommen die Scrum Säulen?

Bevor wir beginnen, sollten wir etwas klarstellen: Die Scrum Säulen sind eigentlich die Säulen, auf denen der Empirismus basiert. Der Empirismus wird breiter angewendet als nur im Scrum Framework. Man könnte die Scrum Säulen also auch als die Säulen des Empirismus bezeichnen.

Die drei Säulen sind Teil eines Tempels, siehe das Bild oben. Der Tempel ist auf einem Fundament aus Vertrauen gebaut und hat drei Säulen: Transparenz, Prüfung und Anpassung. Gemeinsam stützen diese Säulen das Dach des Empirismus.

Empirismus

Fangen wir mit diesem Dach an. Was ist Empirismus? Vielleicht kennen Sie den Ausdruck: „Empirisch ermittelt“. Er bedeutet, dass etwas experimentell ermittelt wurde. Der englische Ausdruck „trial and error“ (Versuch und Irrtum) kommt dem sehr nahe, denn man probiert etwas aus und macht dabei vielleicht Fehler. Dann weiß man, dass man es anders machen muss. Kurz gesagt, man lernt durch Erfahrung.

Das Gegenstück zum Empirismus ist übrigens der Rationalismus, der behauptet, dass die Vernunft, das logische Denken, die Quelle des Wissens ist. Wir wollen uns nicht die Finger an der philosophischen Debatte darüber verbrennen, welche der beiden Richtungen die wahre oder die beste ist, die Wahrheit liegt genau in der Mitte.

Im Empirismus lernen wir aus der Erfahrung. Nun wollen wir aber etwas zielgerichteter vorgehen, als nur wahllos Versuchsballons zu starten und zu sehen, was dabei herauskommt. Wir möchten dies effizient und effektiv tun. Und dafür brauchen wir die drei Scrum Säulen.

Transparenz

Nehmen wir an, wir probieren etwas aus, um Erfahrungen mit etwas zu sammeln. Dann ist es hilfreich, wenn man den Überblick behält oder transparent macht, was man genau tut. Das ist also Transparenz.

Ein Beispiel: Wir wollen ein Ei kochen. Genau richtig, zwischen hart- und weichgekocht. Dann ist es wichtig zu wissen, ob das Ei direkt mit dem Wasser in den Topf kam oder erst, als das Wasser schon kochte. War es ein großes (Strauß?) oder ein kleines Ei? Es scheint sogar eine Rolle zu spielen, ob man sich auf Meereshöhe oder hoch oben in den Bergen befindet. Indem Sie das alles festhalten, sorgen Sie für Transparenz.

Prüfung

Wenn Sie auf diese Weise Transparenz geschaffen haben, können Sie sie überprüfen. Das können Sie übrigens mit Prozessen, Produkten, aber auch mit Fortschritten machen. Prüfen hört sich vielleicht etwas schwerfällig an, aber es bedeutet einfach, etwas zu betrachten und etwas darüber herauszufinden. Ein Beispiel: Als ich das Ei nach 16 Minuten Kochzeit aus dem Wasser nahm und es halbierte, war es (rissig) hartgekocht. Schlussfolgerung: Das Ei wurde wahrscheinlich zu lange gekocht.

Anpassung

Sie ahnen, was der dritte Schritt ist: Anpassen. Wir kochen ein weiteres Ei, aber kürzer, sagen wir sechs Minuten. Und dann fangen wir wieder bei Null an. Natürlich wollen Sie das systematisch einstellen. Sie können sich also bereits überlegen, welches Ergebnis (z. B. Ei zu weich) Sie beim nächsten Versuch (z. B. 8 Minuten Kochzeit) erreichen wollen.

Beispiel für die Scrum Säulen in der Praxis

Nun ist das Kochen eines Eies ein einfaches Beispiel, aber der Empirismus hat seinen Wert vor allem bei komplexeren Problemen oder Systemen, weil das Ergebnis in solchen Fällen schwer vorherzusagen ist.

Im Marketing kennt man zum Beispiel das Konzept der AB-Tests. Dabei werden zwei verschiedene Werbetexte für ein und dasselbe Produkt veröffentlicht. Man könnte versuchen, im Voraus zu entscheiden, welcher der beiden Texte besser ist, aber dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, wie Sprache, Blickwinkel, zugrunde liegende Botschaft, Schriftart usw., und es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, den Grad des Einflusses jedes einzelnen Faktors auf den endgültigen Erfolg vorherzusagen. Bei AB-Tests probiert man einfach beide Varianten aus (es können natürlich auch drei oder mehr sein) und ermittelt anhand des tatsächlichen Ergebnisses, welche Variante am erfolgreichsten war. Damit fahren Sie dann fort, zum Beispiel in einem nachfolgenden Sprint. Dabei ist es natürlich wichtig, dass Sie transparent gemacht haben, welche Faktoren in diesen Botschaften unterschiedlich waren und das intelligent einsetzen (z.B. inhaltlich die gleiche Botschaft, nur in einer anderen Schriftart).

Vertrauen

Und dann kommen wir zur Grundlage der Säulen von Scrum: Vertrauen. Die Idee ist, dass man ständig Dinge ausprobiert und dabei wahrscheinlich viele Fehler macht. Am besten so früh und so oft wie möglich, denn dann lernt man am schnellsten. Dies wird auch als „Früh und oft scheitern“ bezeichnet. Dazu brauchen Sie das Vertrauen, Ihren gesunden Menschenverstand einzusetzen und Dinge gezielt auszuprobieren. Vor allem aber das Vertrauen, dass Sie dies ungestraft tun können. Denn wenn Sie Angst haben, dass man Sie ausschimpft, weil Sie ein weiteres Experiment vermasselt haben, werden Sie es irgendwann sein lassen.

Agile Praktiken wie Scrum und Kanban beruhen auf diesem empirischen Ansatz, und sie brauchen jede einzelne Scrum Säule. Sie wenden die oben genannte Methodik iterativ an, um eine kontinuierliche Verbesserung zu erreichen. Und damit letztlich das perfekt gekochte Ei.

Fazit

Die drei Scrum Säulen Transparenz, Prüfung und Anpassung bilden die Säulen des Empirismus. Sie ermöglichen ein systematisches, gezieltes Experimentieren und damit eine kontinuierliche Verbesserung.

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