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Minimum Viable Product und Scrum

Was ist ein Minimum Viable Product?

Bei einem Minimum Viable Product (MVP) handelt es sich um die allererste Version eines Produktes bzw. einer Dienstleistung, die dem Kunden so früh wie möglich zur Verfügung gestellt wird. Das Ziel besteht darin, so schnell wie möglich Feedback zu bekommen. Dieses ist für die nächsten Entwicklungsschritte von großer Bedeutung. 

Weshalb ein Minimum Viable Product?

Einer der größten Vorteile von Scrum besteht darin, dass das Team unmittelbar und viel Feedback von den unterschiedlichen Anspruchsgruppen erhält. Schließlich findet nach jedem Sprint ein Sprint Review Meeting statt. In dieser Besprechung wird das fertiggestellte (Teil-) Produkt (Inkrement) präsentiert.

Damit das Scrum Team schnell eine weitere Bestätigung bekommt, ob es mit der ersten Version (dem MVP) auf dem richtigen Weg ist, ist neben dem Sprint Review Meeting Feedback von Kunden Gold wert.

Kunden können die erste Version direkt nutzen. Das gibt zügig Aufschluss darüber, ob die richtigen Entscheidungen getroffen wurden und ihnen das Produkt grundsätzlich zusagt. Nutzer geben schließlich immer direkt an, welche Merkmale ihnen einen Mehrwert liefern und welche nicht. Im schlechtesten Fall kommen sie zu dem Schluss, dass das gelieferte Produkt insgesamt keinen Nutzen bringt. Dann kann das Team rechtzeitig noch einen anderen Weg einschlagen. Würde es diese Erkenntnis erst erlangen, nachdem das Produkt oder die Dienstleistung schon fertig entwickelt wurde, wäre die Investition wertvoller Zeit und von viel Geld umsonst gewesen.

Wenn das MVP den Kunden zusagt, weiß das Scrum Team auf Grundlage des erhaltenen Feedbacks, welche Funktionalitäten dem Kunden den größten Mehrwert liefern. Diese Funktionalitäten werden dann im Product Backlog als Items mit einer hohen Priorität hinzugefügt.

Der Product Owner entscheidet anhand des Feedbacks, welche Funktionalitäten für die nächste Version benötigt werden. Auch diese soll in einem so früh wie möglichen Stadium dem Kunden übergeben werden. Das Feedback auf die zweite Version bringt dann wieder neue Erkenntnisse.

Wie wird ein Minimum Viable Product definiert?

Das MVP ist also das minimale Produkt oder die minimale Dienstleistung, die für den Kunden von Wert ist. Aber wie wird entschieden, welche Funktionalitäten diesen minimalen Wert repräsentieren?

Eine Vorgehensweise zur Definition, welche Funktionalität oder welche Funktionalitäten mindestens benötigt werden, ist die Verwendung des sogenannten Kano-Modells der Kundenzufriedenheit. Dieses Modell hat Noriako Kano in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt.

Grafik für Minimum Viable Product

Das Modell verwendet zwei Indikatoren: Die x-Achse bezieht sich darauf, ob bzw. inwieweit ein bestimmtes Merkmal vorhanden ist. Die y-Achse zeigt den Grad der Zufriedenheit des Kunden an.

Basismerkmale

Diese Merkmale müssen mindestens vorhanden sein. Ist das nicht der Fall, ist der Kunde automatisch unzufrieden. Hygiene ist ein Beispiel für ein solches Basismerkmal aus der Gastronomie. Wenn sie Ungeziefer in einem Restaurant entdecken, begeben Gäste sich auf die Suche nach einer Alternative.

Leistungsmerkmale

Diese Merkmale haben viel Einfluss auf den Grad der Zufriedenheit von Kunden. Wenn die Leistungsmerkmale fehlen, ist der Kunde unzufrieden. Je deutlicher sie aber ausgeprägt sind, desto höher ist die Kundenzufriedenheit. Um beim Beispiel des Restaurants zu bleiben: Ein Beispiel für ein Leistungsmerkmal ist die Qualität der Gerichte. Je besser sie sind, desto zufriedener sind die Gäste.

Begeisterungsmerkmale

Wenn diese Merkmale fehlen, wird der Kunde sie nicht vermissen. Sind sie jedoch vorhanden, wirken sie sich direkt positiv auf die Kundenzufriedenheit aus. Es handelt sich sozusagen um Dinge, von denen der Kunde nicht wusste, dass er sich sie überhaupt wünscht. In der Gastronomie wäre zum Beispiel Valet-Parken so ein Begeisterungsmerkmal. Wird dieser Service nicht angeboten, stellen die Gäste ihr Auto einfach selbst irgendwo ab. Aber wenn ein Parkservice angeboten wird, nutzen sie ihn gern als zusätzliche Funktionalität.

Damit dem Kunden eine erste Version eines Produktes oder einer Dienstleistung mit einem Mehrwert – also das Minimum Viable Product – übergeben werden kann, müssen mindestens die Basismerkmale vorhanden sein. Jedenfalls die Basismerkmale, die im Zusammenhang mit dem Minimum Viable Product für Kunden insgesamt oder ein spezifisches Kundensegment relevant sind. Die meisten MVPs möchten Kunden etwas Neues bieten. Deshalb sollte zusätzlich zu den Basismerkmalen auch mindestens ein Leistungs- oder Begeisterungsmerkmal aufgenommen werden.

Das Inventarisieren und Sortieren der für ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung notwendigen Funktionalitäten fällt in den Aufgabenbereich des Product Owners. Dieser bespricht Ideen bezüglich der Produktentwicklung mit den Anspruchsgruppen. Daraus ergeben sich verschiedene gewünschte Funktionalitäten und deren Rangfolge. In unserem Blogartikel über die Produktvision erfahren Sie mehr über ein Modell, mit dem Product Owner diesen Arbeitsschritt strukturiert angehen können.

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