Fishbowl – Liberating Structure

Was ist die Fishbowl-Methode und wofür verwenden Sie sie?

Sie kennen die Situation: Mitten in einer Sitzung entsteht eine Diskussion über ein Thema, das allen sehr am Herzen liegt. Jeder hat eine Meinung dazu, aber wir vergessen eigentlich, einander zuzuhören. Hier kommt das Fischglas ins Spiel!

Das Fischglas ist eine Diskussionsstruktur mit Rahmen und zielt darauf ab, einen effizienten Dialog mit einer Schlussfolgerung oder Lösung als Ergebnis zu schaffen.

Die Rahmen sorgen dafür, dass die sprechende Person nicht unterbrochen wird und dass andere Personen gezwungen sind, zuzuhören. Diese Methode eignet sich daher hervorragend für konstruktive Diskussionen und Gespräche in großen Gruppen.

Die Methode

Das Fischglas funktioniert folgendermaßen:

  • Sie sind mit einer großen Gruppe von Menschen in einem Raum zusammen
  • Das Thema der Diskussion wird im Voraus vom Moderator festgelegt
  • In der Mitte des Raumes steht ein Kreis mit 4 oder 5 Stühlen. Je nachdem, für welche Form des Fischglases Sie sich entscheiden, werden diese Stühle alle besetzt sein oder einer wird frei bleiben.
  • Die Personen, die die Diskussion leiten, nehmen auf diesen Stühlen Platz und bilden gemeinsam den inneren Kreis
  • Die anderen Personen bilden einen zweiten Kreis um die Diskussion, zusammen bilden sie den äußeren Kreis. Die einzige Aufgabe des äußeren Kreises besteht darin, der Diskussion im inneren Kreis zuzuhören. Auf diese Weise sorgt das Fischglas dafür, dass die Personen im inneren Kreis sprechen können, ohne sich gegenseitig zu unterbrechen.

Vorteile eines Fischglases

Im Vergleich zu einer Plenardiskussion bietet die Fishbowl eine sehr überschaubare Diskussionsform. Die Fishbowl ist eine bewusste Art der Diskussion, die es den Menschen ermöglicht, miteinander zu reden und einander zuzuhören. Diese Konsultationsstruktur ist auch für große Gruppen von Personen sehr nützlich. Indem man buchstäblich ein paar Leute in die Mitte der Aufmerksamkeit stellt, ist es klar, wer spricht. Auf diese Weise erhalten sie die Möglichkeit zu sprechen und werden auch gehört.

Die verschiedenen Formen eines Fischglases

Je nach Umgebung können Sie sich für eine andere Form des Fischglases entscheiden. Es macht Spaß, beide Formen auszuprobieren, um herauszufinden, was in Ihrer Umgebung am besten funktioniert.

Das offene Fischglas
Die Regel des offenen Fischglases ist, dass es immer einen leeren Stuhl im Kreis gibt. In diesem Fall gibt es 5 Stühle im Kreis, von denen immer nur 4 besetzt sein dürfen. Zu jeder Zeit kann eine Person aus dem äußeren Kreis den leeren Stuhl einnehmen und sich am Gespräch beteiligen. Wenn dies geschieht, muss ein Teilnehmer aus dem inneren Kreis, der in diesem Moment nach eigenem Ermessen weniger zum Gespräch beiträgt, freiwillig das Fischglas verlassen, um einen Stuhl frei zu machen. Dieser Wechsel der Teilnehmer gibt verschiedenen Personen die Möglichkeit, ihren Beitrag zur Diskussion zu leisten.

Das geschlossene Fischglas
Im geschlossenen Fischglas bleiben die Teilnehmer des inneren Kreises dieselben. Sie vereinbaren im Voraus einen Zeitrahmen für die Dauer dieses Fischglasprogramms. Wenn die Zeitspanne abgelaufen ist, verlassen die Teilnehmer den inneren Kreis und eine neue Gruppe aus dem äußeren Kreis kommt hinzu. Nach einigen Runden schließt der Moderator das Fischglas und fasst die Ergebnisse der Diskussion zusammen. Da die Außenstehenden keine Möglichkeit haben, sich einzuschalten und ihre Meinung zu äußern, muss diese Meinung auf andere Weise gesichert werden. Hierfür wurden verschiedene Varianten entwickelt.

Fishbowls in der Praxis

In der Praxis können sowohl das offene als auch das geschlossene Fischglas eine Herausforderung darstellen. Der äußere Kreis hat zum Beispiel interessante Ideen, für die in dem geschlossenen Fischglas kein Platz ist. Im offenen Fischglas werden Introvertierte nicht immer in den inneren Kreis gelangen, obwohl ihre Meinung von großem Wert ist. Aus diesem Grund wurden mehrere Varianten beider Formen von Fishbowls entwickelt, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

1 gegen 1 Fischglas
Dies ist eine direkte Abwandlung des offenen Fischglases, bei dem sich nur zwei Stühle im Kreis befinden. Zwei Personen treten in eine Diskussion miteinander ein. Wenn eine Person aus dem Publikum im Fischglas Platz nehmen möchte tippt sie der Person, die sie ersetzen möchte, auf die Schulter, wenn diese gerade nicht spricht. Die Person, die angezapft wurde setzt sich ins Publikum, während die Person, die das Publikum verlassen hat, nun an ihrer Stelle die Diskussion im Fischglas fortsetzt.

Untergruppen
Die Gruppe kann in zwei kleinere und getrennte Untergruppen aufgeteilt werden (z. B. nach Funktion, Zielgruppe oder Alter). Diese Gruppen treffen sich getrennt und denken sich drei bis vier Fragen für die andere Gruppe aus, die auf Karten oder Post-its geschrieben werden. Die Teilnehmer treffen sich wieder, tauschen die Karten aus und bilden zwei Kreise, wobei eine Untergruppe in der anderen sitzt und beide nach innen schauen. Der innere Kreis liest eine Frage vor und diskutiert sie, während die Mitglieder des äußeren Kreises zuhören, aber nicht sprechen. Jede Frage wird auf diese Weise erörtert, sodass jeder im inneren Kreis zu Wort kommen kann. Die Kreise werden dann umgedreht. Die von den Gruppen erarbeiteten Fragen können sich auf ein und dasselbe Thema beziehen oder nicht, je nach Entscheidung des Veranstalters. Diese Version ist ideal für große Gruppen von dreißig bis sechzig Personen geeignet.

Time-boxed Fischglas
Eine andere Möglichkeit besteht darin, das Fischglas für eine bestimmte Zeit zu betreiben, zum Beispiel eine halbe Stunde. Wir nennen dies eine Timebox. Der Moderator unterbricht die Diskussion im Fishbowl-Kreis und fordert diejenigen, die nicht zum inneren Kreis gehören, auf, ihre Gedanken und Kommentare zu dem zu äußern, was sie im inneren Kreis hören.

Technisches Fischglas
Im technischen Fischglas wird die Technologie eingesetzt, um die Beteiligung zu erhöhen. So können alle Teilnehmer des äußeren Kreises ihre Gedanken auf einer öffentlichen (Online-)Plattform austauschen, ohne warten zu müssen. Diese Plattform kann sogar direkt in den Raum projiziert werden, damit der innere Kreis sie als zusätzliche Gesprächsgrundlage oder zur Ideenfindung nutzen kann. Diese Variante schafft ein sicheres Umfeld, in dem sowohl Extrovertierte als auch Introvertierte ihre Meinung äußern können.

Und dann?

Sie haben ein gutes Gespräch in einer Form des Fischglases geführt, die zu Ihrer Gruppe passt, und was nun? Die Diskussionsergebnisse des Moderators und des Außenkreises können z. B. auf Post-its festgehalten werden.

Die effizienteste Art, einen nächsten Schritt oder eine Schlussfolgerung zu erreichen, ist das Dot-Voting. Jeder im Raum (sowohl der innere als auch der äußere Kreis) erhält drei Punkte zum Verteilen. Diese drei Punkte können alle auf einem Post-it platziert werden oder sie können auf mehrere Gegenstände verteilt werden. Auf diese Weise kann man sehr schnell sehen, wo die meisten Punkte gesammelt werden, und es wird sofort klar, wofür die Mehrheit der Gruppe eintritt.

Die Herausforderungen eines Fischglases

Abgesehen von den guten Gesprächen, die sich daraus ergeben, birgt ein Fischglas auch einige Herausforderungen. Introvertierte und schüchterne Menschen kommen zum Beispiel seltener zu Wort. Sie haben weniger Anreize, das Wort zu ergreifen, und insbesondere in großen Gruppen zögern sie, ihren Platz im Fischglas einzunehmen. Um diesen Personen während der Fishbowl mehr Gehör zu verschaffen, können Sie sich für eine der Varianten entscheiden, bei der die Diskussionen in kleinere Gruppen aufgeteilt werden oder bei der die Meinungen auf eine andere Art und Weise eingeholt werden, wie zum Beispiel bei der digitalen Variante.

Tipps

  • Aufstehen! Vergewissern Sie sich, dass klar geregelt ist, wie viele Personen aktiv im Fischglas stehen dürfen und an welchem Punkt jemand das Fischglas betreten oder verlassen darf.
  • Stellen Sie Ihr Fischglas in irgendeiner Form in eine Timebox auf, so bleibt es effizient. Wenn die Zeit abgelaufen ist, können Sie darüber abstimmen, ob das Thema fortgesetzt oder geschlossen werden soll.
  • Verteilen Sie Handouts, auf denen die Teilnehmer des äußeren Kreises Notizen machen können.
  • Achten Sie darauf, dass Sie etwas Leckeres dabei haben! (Das muss nicht ungesund sein)
    Es scheint so einfach zu sein, wird aber oft vergessen. Das ist schade, denn es trägt indirekt zu einer offenen Atmosphäre, Interaktion und mehr Sicherheit in der Gruppe bei!

Ausstattung

  • Geschlossener Raum
  • 5 Stühle
  • 1 Moderator – diese Person führt in das Thema ein und behält die Timebox im Auge.
  • Kekse! (Oder andere Leckereien)

Optional:

  • Flipchart(s) oder digitaler Bildschirm
  • Post-its / Notizmaterial
  • Stifte oder Bleistifte

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